Bild: Dr. Gottlieb BöhmDr. Gottlieb Böhm:

Mitte der fünfziger Jahre tat sich im Süden Frankfurts die Erde auf und ein Knabe mit musikalischen Ambitionen entsprang den Wirren eines schlafenden Stadtteils. Rebellisch zuckte dieser auf jede Reaktion der dort Ackerbau und Viehzucht pflegenden Bürger, die in ihrer Lethargie keinen aus ihrer Reihe tanzenden Nichtsnutz duldeten. Hier wurde durch Hände schaffender Kraft der Lebensunterhalt gesichert. Hirngespinstige, musische Ausschweifungen wurden unerklärlichen Reaktionen aus dem All gleichgesetzt, ähnlich dem rhythmischen Lärmgefüge, die dieser Mensch aus der Goldsteinstrasse auf seine Mitbürger krachen ließ. Diese Ablehnung ließ sich der kleine Gottlieb B. exakt 14 Jahre lang gefallen, bis er zornig den Entschluss fasste, auf die andere Seite des Flusses zu wechseln, rüber in die Stadt. Dort fristete er die nächsten Jahre seines unerfüllten Lebens in einer Verkaufsstelle von lärmerzeugenden Instrumentarien, die später die Generation der Schlagwerke darstellen sollten. Besonders ans Herz wuchsen ihm die Kesselburgen, die man im Sitzen regierte, die heutigen Schlagzeuge. Gewissenhaft gefertigte Holz- oder Metallkessel, bespannt mit Tierhäuten, brachten durch gezieltes Draufschlagen donnernde Trommelfell-Resignationen hervor. Immer mehr Gesellschaftsmüde rasteten schier gar aus, als Dr. Böhm diesem monotonen Gebumse auch noch monotone Rhythmen, vorzugsweise im 4/4 Takt anheim stellte. Der Beat war geboren. Eine Chance für die Musiker, sich einmal pro Takt zu treffen, immer auf die Eins, wirkungsweise immer auf die zwölf des Zuhörers. Ende der sechziger Jahre besuchte der Verkäufer ein Konzert von RH, L&M ( Roy Hammer, Lasagno und MezzaLuna ), sprang spontan auf die Bühne, und schlug wie irre mit zwei Gardinenstangen auf die Dekoration ein. Unfassbar, wie die taktische Knebelung dem schokoladenüberschmierten Gesangsgesäusel der Ausübenden Rahmen gebot. Sie waren sich einig: das bauen wir aus ! Die Idee: konkrete Rhythmen, ausgefeilte Melodien, sensible Texte, unvergleichliche Arrangements und ein einzigartiger Sologesang, unterstützt von engelsgleichen Chorstimmen. Alles nur möglich um den festen, unumstößlichen Beat eines Meisters: Dr. Böhm. Eine neue Ära war geboren, präsent bis zum heutigen Tag !